Keine Radwegebenutzungspflicht mehr??

Der Fortfall der Radwegebenutzungspflicht birgt viele neue Gefahren, die noch nicht absehbar sind. Darauf weist der Automobil-Club Münster im ADAC (ACM) in einer Pressemitteilung hin. Und die Verkehrsunfallstatistik 2021 spricht hier eine deutliche Sprache. Rund die Hälfte aller Unfälle von Rad- und Pedelecfahrern finden ohne Beteiligung von Kraftfahrzeugen statt. Bereits seit 2010 gibt es das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, welches den Fortfall der Benutzungspflicht regelt. Dennoch wurden in den letzten Jahren vernünftigerweise zahlreiche Radwege nebst Bürgersteigen für viele 100.000 Euros instandgesetzt oder verbessert wie z. B. am Duesbergweg und der Amelsbürener Straße. Denn bislang ging Sicherheit vor. Doch jetzt findet die Kehrtwende statt und viele zweispurigen Straßen sollen auch von Radfahrern befahren werden. Hier entstehen neue Unfallgefahren, die es zu vermeiden gilt. Trotz großflächiger Schilder „Radfahren auf der Fahrbahn erlaubt“ wie z. B. auf der Wolbecker Straße, der Angelstraße und dem Angelmodder Weg benutzen fast alle Radfahrer nicht die Straße und das ist auch gut so. Warum sollten sich Fahrradfahrer wegen einiger Sekunden Zeitgewinn unnütz in Gefahr begeben statt sicher auf einem separierten Radweg fahren zu können, auch wenn er vereinzelt kein Überholen ermöglicht? Die politisch forcierte Priorisierung des Radverkehrs muss ausgewogen sein und darf keine Sicherheitsaspekte über den Haufen werfen. Und auch die Busse wären davon betroffen, weil ein Überholen schier unmöglich ist. Auf vielen Strecken kann der Kraftfahrer die Abstandsregel von 1,5 Metern nicht einhalten, Kollisionen mit sich öffnenden Fahrertüren u. v. m. bilden neue Unfallgefahren. Der ACM ist seit 2007 Partner der Ordnungspartnerschaft „Sicher durch Münster“ und setzt sich für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer ein. Er warnt davor, den sicheren, wenn auch manchmal langsameren Radweg gegen die Fahrbahn einzutauschen. Die Reaktionen der Bürger sind sehr vielfältig und eindeutig. Von Dreistigkeit der Radfahrer ist die Rede, von Beschimpfungen, rüpelhaftem Verhalten gegenüber Fußgängern und von Disziplinlosigkeit. Und was der derzeit in den politischen Gremien beratene Fußverkehrs-Check 2021 in Zukunft noch für Überraschungen und fatale Ideen bringt, mag man sich gar nicht ausmalen. Mit etwas mehr Entspanntheit und Rücksicht aller Verkehrsteilnehmer wäre das alles nicht nötig.

Bericht ist ebenfalls auf der Internetseite Münstersche Zeitung zu finden.
Radfahrer auf der Straße: Autoclub warnt vor Gefahren

Bericht aus der MZ vom 26.05.22
Bericht aus der WN am 26.05.22

2 Kommentare

  1. Frank Eichelberger

    >Warum sollten sich Fahrradfahrer wegen einiger Sekunden Zeitgewinn unnütz in Gefahr begeben statt sicher auf einem separierten Radweg fahren zu können, auch wenn er vereinzelt kein Überholen ermöglicht?

    Aus diesem Satz lässt sich für mich nur eine Schlussfolgerung zu: Autofahrer bringen wegen einiger Sekunden Zeitgewinn andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr, und denken, die Fahrbahn gehöre allein ihnen. Warum ist das so?

    • Wolfgang Husch

      Sehr geehrter Herr Eichelberger,

      Ihre Schlussfolgerung geht leider am Thema vorbei. Es geht nicht um ein paar Sekunden Zeitgewinn für den Autofahrer, sondern darum, dass sich niemand unnütz in Gefahr bringen soll. Und auf der Strasse war und ist es immer gefährlicher als auf einem Radweg. Manche Fahrradfahrer/innen halten es leider für unzumutbar, langsamer zu fahren bzw. anhalten zu müssen und das mit einem umweltfreundlichen Verkehrsmittel. Geschwindigkeit reduzieren und wieder zu erhöhen bedeutet keinen Schadstoffausstoss für das Rad, aber für das Kraftfahrzeug. Und abgesehen von den drohenden Gefahren auf der Strasse ist es somit auch umweltfreundlicher.

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